o_O

7. Februar 2010, 21:43

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus…
Ein neues, ein echtes Abenteuer bahnt sich an… und jetzt gerade fühlt es sich noch zu surreal an, um dazu etwas zu sagen, aber das kommt dann in den nächsten Tagen.

Zuma an den Eiern

5. Februar 2010, 23:03

Es gibt da diesen schönen Ausdruck “jemanden an den Eiern haben” – ich glaube nicht, dass ich das erklären muss… Ich musste heute an diesen Ausdruck denken, als ich die neuesten Nachrichten über unser aller Lieblingspräsidenten von Südafrika, Jacob Zuma, las.

Nachdem erst Ende Dezember eine eifrige Kontroverse entbrannt war, weil der gute Mann seine fünfte/dritte (fünf insgesamt, eine beging Selbstmord, eine ließ sich scheiden) geheiratet hatte und damit dem schönen Zulu-Brauch der Vielweiberei nachging, hat er jetzt erneut einen Vogel abgeschossen… im Oktober wurde sein 20. Kind geboren. 20. In Worten: zwanzig. Der Mann allein produziert so viele Kinder wie eine deutsche Kleinstadt…
Was das Ganze aber pikant und zu einem politischen Thema macht, ist folgendes: Die Dame, die das besagte 20. Kind geworfen geboren hat, ist keine seiner Ehefrauen, sondern die Tochter des Besitzers des beliebtesten Fußballclubs Südafrikas. Hier noch mal langsam und zum Mitdenken: Es gibt ein Fußballteam, die Orlando Pirates. Die gehören jemandem. Der hat viel Geld in der ganzen WM-Geschichte und eine Tochter. Die wiederum hat ein Kind mit Zuma. Der mit drei anderen Frauen verheiratet ist.
Auch hier kann man sich als Präsident sicher noch auf die eine oder andere Weise rausreden… Zuma nimmt lieber den direkten Weg und erklärt, das Kind sei “ein Kind der Liebe”. Das ist doch schön, an sich.

Und jetzt machen wir den Schwenk in die politische Arena: Wir befinden uns in einem Land, in dem die HIV-Quote der 25-35jährigen irgendwo so zwischen 24 und 28% liegt. Jeder in Südafrika, der in irgendeiner Form Einfluss oder Öffentlichkeit hat, propagiert zwei Dinge zur HIV-Prävention: Kondome und Treue. Jeder – das heißt auch die Regierungspartei, der ANC.
Was praktiziert der oberste Mensch der Partei und des Staates ganz offensichtlich nicht? Kondome und Treue. Und das, nachdem offiziell bekannt ist, dass er mit einer HIV-positiven Frau geschlafen hat. Ohne Kondom. Das war die berühmte Dusch-Affäre. Also, nicht Affäre unter der Dusche, sondern das bezieht sich darauf, dass Zuma in seinem Vergewaltigungsprozess (geklagt hatte besagte HIV-positive Frau) erklärte, er habe nach dem Sex geduscht, um eine Ansteckung zu verhindern. Der werte Herr Präsident hat offenbar ein schwieriges Verhältnis zum Thema HIV-Ansteckung…1
Wenn es je ein schlechtes Beispiel gab, dann das. Und inzwischen wird die Luft um Zuma dünner – sogar seine treuen Schergen von der ANC Youth League weigern sich, eine Stellungnahme zu seinen Gunsten abzugeben… Für meine liebste Oppositionspartei, die DA, ist das natürlich ein gefundenes Fressen, und wenn man ein paar südafrikanische Blogs und Zeitungen (mit Diskussionsforen, das ist immer das spannendste) liest, dann fällt in letzter Zeit sehr oft “not fit for office”.

[Und jetzt noch mal, bevor wir alle den Überblick verlieren: Der Präsident vögelt sich kondomlos durch sein Land und zeugt Kinder im Akkord, während alle anderen Einwohner verzweifelt versuchen, die Aids-Epidemie einzudämmen. Werde ich von jetzt an als Beispiel benutzen, wenn ich mal das Wort "Doppelmoral" erklären muss.]

Sie haben ihn zwar noch nicht bei den Eiern (s.o., hihi, ich weiß, ich habe pubertären Humor), aber es wäre jedenfalls höchst amüsant, wenn so eine Affären-Affäre Zuma zu Fall bringen würde – nachdem weder der Prozess wegen Vergewaltigung noch die Korruptionsaffäre dafür ausreichten…

(Persönliche Anmerkung dazu: Eines muss man Zuma lassen – das ist eine logistische Meisterleistung. Die meisten Leute schaffen nicht mal eine Beziehung/Ehe vernünftig hinzubekommen, und spätestens bei der ersten Affäre scheitert es dann – der gute Mann managed drei Ehefrauen, zwanzig Kinder und ein Land, das einen gehörigen Satz an Problemen hat. Ich ziehe meinen imaginären Hut. Not.)

  1. *jeez* Bei all diesen Affären blicke bald nicht mal mehr ich durch… []

M.A.

5. Februar 2010, 10:15

Gestern ist endlich mein Zeugnis gekommen. Damit ist es jetzt hochoffiziell:



Kompetenzen

3. Februar 2010, 15:10

Am Samstag gab es übrigens doch tatsächlich einen Vortrag, aus dem ich rausgegangen bin und mich nicht gleich in die Spree stürzen wollte1 – das war der Vortrag von Michael Emery, dem Chief of Recruitment vom UN Development Programme (UNDP).
Der Referent hatte tatsächlich ein paar nützliche Tipps, die über das übliche “sie brauchen ein abgeschlossenes Studium, mindestens zwei Fremdsprachen außer Englisch fließend, mehrere Praktika in Entwicklungsländern usw.” hinausgingen – es ging um Kompetenzen. “Think competencies, not jobs” – das war seine Strategie.

Ein paar davon habe ich mir aufgeschrieben, weil ich sie tatsächlich sehr brauchbar fand… und weil ich gerade ein wenig Ordnung in meine ganze Bewerbungspanik bringen muss, schreibe ich sie hier jetzt noch mal auf. Also mehr ein Eintrag für mich selber als für jemanden anderes. Wer sich bis zum Ende durchlangweilen will und vielleicht was dazu zu sagen hat – gerne.

Den Rest des Beitrags lesen »

  1. was eh nur mit einer blutigen Nase geendet wäre, weil die Spree zentimeterdick vereist war []

Look Beyond LXXV

2. Februar 2010, 07:38

- Was Grußformeln am Ende einer Mail tatsächlich bedeuten – leider nur auf Englisch.

- Menschen, die erklären, dass “es doch auch mal schön ist, wenn’s kalt ist und wochenlang Schnee liegt!”, halten auch das Erdbeben in Haiti für eine “Chance für das Land”. Bei beiden Aussagen krieg ich ne Gänsehaut – im ersten Fall angesichts der Kälte, im zweiten Fall angesichts der Anmaßung, die hinter so einem Satz steckt. All die Toten unter dem Schutt würden wohl gern auf diese “Chance” verzichten… für wen eine derartige Katastrophe tatsächlich eine Chance ist, erklärt uns hier Bill Easterly, mein liebster Entwicklungshilfe-Kritiker.1
- Sex sells – in der Werbung stimmt das nicht mehr immer, beim Online-Dating offenbar schon…

  1. Was mich daran erinnert, dass ich immer mal The Shock Doctrine von Naomi Klein lesen wollte – ich verspreche mir viel davon, nachdem mich ihr Anti-Kapitalismus-Buch No Logo entscheidend in meinen Ansichten über Wirtschaft, Politik und Globalisierung beeinflusst hat… []

comfort food

1. Februar 2010, 17:12

Manche Leute essen an miesen Tagen1 Essen, das sie an ihre Kindheit erinnert… ist nicht so mein Ding. Dafür habe ich vorhin voller Freude entdeckt, dass es beim real die Kekse gibt, die ich immer in Südafrika gegessen habe.2 Jetzt sitze ich also hier und vergesse dank Schokokeksen, dass es draußen immer noch unter Null ist und ekliger Schnee liegt.
Manchmal brauch ich das, um nicht zu vergessen, was ich eigentlich will…

[Nachtrag: Haha! Wie passend!]

  1. mies ist übertrieben, sagen wir einfach: nicht so gut []
  2. sonst gab’s immer nur die normalen Oreos, nicht die schokoladenüberzogenen… die mit weißer Schokolade dagegen kannte ich nicht, werde ich allerdings aufgrund des astronomischen Preises auch eher nicht ausprobieren []

bits and pieces

1. Februar 2010, 02:09

Eindrücke von der Reise und vom Wochenende in Berlin:

- Wieso sind eigentlich die Menschen, die am lautesten auf Toleranz pochen, die mit den ekligsten Vorurteilen gegenüber Leuten, die nicht ihrem alternativen Lebensbild entsprechen? Ein Anzug und eine Karriere machen noch niemandem zu einem Arschloch. Find ich.

- Bei einem Vortrag von einem Menschen vom UN Development Programme waren ca. 100 oder 120 junge Leute in einem Raum, als der Mensch vorne (Michael Emery) fragte, wer denn alles Kinder habe. Einer meldete sich, er habe eine 3jährige Tochter. Einer. Aus 100. Gebärstreik, anyone?

- Auffällig dagegen fand ich die Frauenquote auf der Absolventenmesse: Zwei Drittel der Leute, die sich dort umsahen und für eine Karriere in internationalen Organisationen interessierten, waren Frauen. Fast sämtliche Fragen in den Diskussionspanels wurden von Frauen gestellt. Ich arbeite noch an einer Interpretation dieser Beobachtung.

- Wie kann es eigentlich sein, dass ich bei Vorträgen und Vorlesungen oft Schwierigkeiten habe, länger als ein paar Minuten zuzuhören, aber wenn ich im Zug sitze und mich auf etwas anderes konzentrieren möchte, das hirnlose Gebrabbel fremder Menschen über ihre Enkelkinder vier Reihen hinter mir nicht ausblenden kann?

Wenn einer eine Reise tut, …

31. Januar 2010, 23:38

…dann kann er was erzählen.

Ich möchte diese Fundamentalweisheit des Reisens ergänzen: Wenn einer eine Reise mit der Deutschen Bahn unternimmt, kann er meistens mehr erzählen, als ihm lieb ist.
Ich war gerade über zwölf Stunden unterwegs, um von der Wohnung meiner Freundin in Berlin-Kreuzberg zu meiner Wohnung in Freiburg-Betzenhausen zu kommen. Kalkuliert hatte ich ein bisschen mehr als sieben Stunden.
Und eigentlich bin ich selber schuld, denn ich beging zwei fundamentale Fehler: Erstens, ich erklärte dem Mann am Schalter beim Kauf der Fahrkarte, ich würde immer den durchgehenden Zug nehmen, damit absolut nichts schief gehen kann… zweitens, am Berliner Hbf erklärte ich einem Freund, dass nun nichts mehr schief gehen könne, ich sei ja jetzt am Gleis angekommen, und dass ich nicht vorhätte, mich heute noch einmal zu bewegen.

Sagen wir so: Es fing damit an, dass mein mp3-Player den Geist aufgab. Schlechtes Zeichen. Ich hätte aussteigen sollen. Und dann ging es richtig los, mit einem unplanmäßigen Halt in irgendeinem Tunnel hinter Kassel, der 100 Minuten dauerte, weil in Frankfurt ein (das?) Stellwerk kaputt war. Nachdem das behoben war und wir verheißungsvoll schnell Richtung Fulda unterwegs waren, hatte die Lok zwischen Fulda und Hanau einen Triebwerkschaden. (Der Lokführer bei der Durchsage: “Mir fehlen die Worte.”
So kam ich in den Genuss, den Bahnhof von Bad Soden – Salmünster (am Taunus) kennen zu lernen. Ich und ca. 400 andere Fahrgäste des ICE. Dort durften wir nämlich eine Weile bei bitterer Kälte stehen und auf den nächsten ICE nach Frankfurt warten. Und weil ICEs nach Frankfurt gerne genutzt werden, mussten wir 400 überschüssigen Fahrgäste in einen ohnehin schon ziemlich vollen ICE geschoben werden… in Frankfurt hieß es dann Umsteigen in den ICE nach Basel, der glücklicherweise auch Verspätung hatte, um dann schlussendlich über zwei Stunden stehend nach Freiburg zu fahren.
Und weil mein Glück so groß war, sah ich auch gerade nur noch die Rücklichter der Straßenbahn, die mich nach Hause hätte fahren sollen. Also noch mal warten. Hatte ich ja noch nicht gemacht…
Da war ich übrigens seit neun Stunden nicht mehr auf Klo gewesen, hatte um fünfzehn Uhr das letzte Mal etwas gegessen, hustete Schleim, hatte Fieber, war klatschnass geschwitzt und stank wie ein Otter, spürte meine Füße nicht mehr… und so weiter.
Jammern? …nicht doch… *grmpf*

Aber irgendwie bin ich nicht einmal wütend… ich habe in all den Stunden kein einziges Mal darüber nachgedacht, wie es wäre, den nächstbesten Bahnmitarbeiter zu lynchen… (auch wenn ich natürlich eine Rückerstattung des Preises verlangen werde).
Aber dafür habe ich noch nie eine derartig kommunikative Bahnfahrt gehabt – worauf ich aber das nächste Mal gerne verzichte, im Tausch gegen pünktliches Ankommen.

Und selbstverständlich endet dieser Eintrag so, wie alle Einträge über Bahn-Unglücke enden: Sssääänk ju for träweling wis deutsche Bahn.

aufbauend

30. Januar 2010, 13:06

Ich bin gerade im Auswärtigen Amt, zur Absolventenmesse und verschiedenen Panels zum Thema “Karriere in internationalen Organisationen”. Ich dachte, das würde mir einen guten Überblick geben und mich motivieren, aber irgendwie hat es gerade eher den gegenteiligen Effekt.
Warum?
Kernaussage bisher aller Panels und Gesprächen mit Leuten von den Organisationen “Studium ist nur Grundvoraussetzung – das, was sie nebenher gemacht haben, zählt. Viele Praktika… Auslandsaufenthalte…”

Mein liebster Tiefschlag war vorhind er Mann eines Ausbildungsprogramms in Bonn, bei dem ich mich eigentlich bewerben wollte:
“Sie müssen da schon mehrere Sprachen verhandlungssicher beherrschen… wenn sie das bisher noch nicht haben, sollten sie unbedingt bis Juni noch einige Monate ins Ausland gehen und da viel Geld investieren…”
Ich so: “Und wenn man das nicht unbedingt zur Verfügung hat?”
“Tja, ohne Geld haben Sie eigentlich eh keine Chance. Armsein ist halt nicht vorgesehen.”

Wortwörtlich. Mir ist erstmal der Unterkiefer runtergeklappt. Ähm, ja, vielen Dank.
Gleicher Tenor eigentlich bei nahezu allen ausstellenden Organisationen: “Die Praktika sind bei uns natürlich unbezahlt. Sie müssen schon selber sehen, wie sie das finanzieren.”
So macht das irgendwie keinen Spaß.

Selbstdiagnose

26. Januar 2010, 10:23

Ich habe irgendwie eine verquere Vorstellung davon, wofür man eigentlich Ärzte braucht.

Finja: “Mir gehts nicht besonders gut.”
Freundin: “Dann geh doch zum Arzt!”
Finja: “Ja, aber ich weiß doch gar nicht, was ich habe…”
Freundin: “Deswegen geht man zum Arzt, um herauszufinden, was man hat.”
Finja: “Vielleicht werde ich ja einfach nur krank…”
Freundin: “…”

Das kommt davon, wenn man als Apothekerkind aufwächst und meistens schon mit fertiger Diagnose und Medikationsvorschlag von Muttern zum Arzt marschiert ist. Und die lag nie falsch.